
Dienstag, 13. Januar 2026
2020 haben wir erstmals einen Marktvergleich von Energiemanagementsystemen (EMS) erstellt. Das neueste Update ist nun online und zeigt deutlich, wie stark sich die Branche entwickelt hat. In diesem Artikel gehen wir auf die Relevanz von EMS in immer komplexer werdenden Immobilien ein und zeigen, wie Energieversorgungsunternehmen (EVU) von der Flexibilität in Gebäuden profitieren können.
Die Energiewelt in und um Gebäude verändert sich rasant. Was früher ein passiver Stromabnehmer war, entwickelt sich heute zum aktiven „Prosumer“. Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Mobilität machen Immobilien zu komplexen Energiesystemen. Damit dieses Zusammenspiel nicht im Chaos (oder in teuren Lastspitzen) endet, braucht es ein digitales Gehirn: das Energiemanagementsystem (EMS). Ein EMS ist heute weit mehr als nur ein Werkzeug zur Steuerung einer Ladestation. Es hat sich zur intelligenten Schaltzentrale entwickelt, die den entscheidenden Unterschied im täglichen Betrieb macht.
Für Immobilienverwalter:innen und Eigentümerschaften ist das EMS heute ein wichtiges Werkzeug, um die wachsende Zahl technischer Anlagen im Gebäude effizient zu orchestrieren.
Die manuelle Steuerung von Wärmepumpen, PV-Anlagen und Ladestationen ist unmöglich. Ein EMS übernimmt diese Aufgabe autonom. Es sorgt dafür, dass die Energie genau dann fliesst, wenn sie verfügbar ist. Etwa indem der Boiler oder das E-Auto geladen werden, wenn die Sonne scheint. Besonders relevant wird dies beim Einsatz der neuesten Betriebskonzepte vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) und LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft). Hier stellt das EMS sicher, dass die Energie innerhalb der Gemeinschaft optimal verteilt wird, bevor sie ungenutzt ins Netz abfliesst.
Wir beobachten eine schrittweise Abkehr von den klassischen, starren Tag- und Nachttarifen. Zwar ist dies heute noch nicht der flächendeckende Standard, doch immer mehr EVUs bieten beispielsweise dynamische Wahltarife an. Erste Energieversorgungsunternehmen wie zum Beispiel Groupe E oder die EKZ gehen mit innovativen Modellen voran, die sich im 15-Minuten-Takt am aktuellen Marktpreis orientieren.
Damit ein Gebäude von den Vorteilen solcher Tarife profitieren kann und von diesen Schwankungen nicht negativ getroffen wird, muss es fähig sein, flexibel zu reagieren. Das EMS übernimmt dabei die Rolle eines digitalen Agenten. Es liest die Preissignale in Echtzeit und verschiebt den Betrieb grosser Energieverbraucher wie Wärmepumpen oder Elektroautos vollautomatisch in die günstigsten Zeitfenster. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung der verfügbaren Energie und entlastet das Budget der Bewohnenden spürbar ohne jeglichen manuellen Aufwand.
Viele Bestandsbauten stossen an ihre Grenzen, wenn mehrere E-Autos gleichzeitig laden und die Wärmepumpe anspringt. Das EMS verhindert durch dynamisches Lastmanagement eine Überlastung des Hausanschlusses. Es drosselt die Leistung bei Spitzen kurzzeitig, ohne den Komfort einzuschränken. So wird die vorhandene Infrastruktur optimal ausgenutzt, ohne dass teure bauliche Verstärkungen der Zuleitung notwendig werden.
Für Energieversorgungsunternehmen ist das EMS die notwendige Schnittstelle, um die Dezentralisierung der Stromproduktion als Chance für das Netzmanagement zu begreifen.
Die grösste Herausforderung für EVU ist die Stabilität des Verteilnetzes bei schwankender Einspeisung und neuen Lasten. Über das EMS können Gebäude ihre Flexibilität aktiv am Markt oder gegenüber dem Netzbetreiber vermarkten. Das bedeutet konkret, dass das EVU bei drohenden Netzengpässen Signale geben kann, um den Verbrauch im Gebäude kurzzeitig zu drosseln oder Batteriespeicher gezielt zu füllen. Das Gebäude wird so zu einer steuerbaren Ressource, die aktiv zur Entlastung des Smart Grids beiträgt.
Neue Tarifmodelle und Netzanschlussbedingungen wie beispielsweise Top-40 Produkte zielen darauf ab, die PV-Einspeisung in Spitzenzeiten zu begrenzen. Ohne ein EMS müssten diese Anlagen bei Erreichen des Grenzwerts hart abgeregelt werden, was den Verlust von wertvollem Solarstrom zur Folge hätte. Ein EMS verhindert diesen Verlust, indem es die Produktion in diesen Momenten direkt in lokale Verbraucher wie Wärmepumpen oder Elektroautos lenkt. So wird die lokale Infrastruktur optimal ausgelastet und die Netzbelastung sinkt, ohne dass Energie ungenutzt verloren geht.
Immobilienkunden suchen heute verstärkt nach Lösungen für komplexe Eigenverbrauchsmodelle wie die Lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) oder den virtuellen ZEV. Hier liegt die Chance für EVU, sich als Dienstleistungspartner zu positionieren. Das EMS liefert die notwendigen Daten und die lokale Intelligenz, um Energieflüsse über mehrere Parzellen hinweg zu steuern. Das EVU kann auf dieser Basis die technische Plattform sowie die anschliessende Abrechnung als Service anbieten und sich so den Kundenzugang in einem dezentralen Markt sichern.
Der Markt für Energiemanagementsysteme hat sich seit unserem ersten Vergleich im Jahr 2020 massiv weiterentwickelt. Heute existieren für nahezu jedes Szenario leistungsfähige Lösungen, sei es für die präzise Steuerung von vZEV-Modellen, die automatisierte Reaktion auf dynamische Tarife oder ein sicheres lokales Lastmanagement.
Da die Anforderungen in der Praxis jedoch stark variieren, ist eine genaue Analyse der benötigten Schnittstellen und Funktionen entscheidend für den Erfolg der technischen Integration. Ein EMS ist längst kein optionales Extra mehr, sondern die notwendige Infrastruktur, um Immobilien und Netze für die Zukunft zu rüsten und die Komplexität der neuen Energiewelt beherrschbar zu machen.
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Für das umfassende Update der EMS Marktübersicht 2026 haben wir mit Unterstützung von EnergieSchweiz die neuesten technologischen und regulatorischen Entwicklungen berücksichtigt. Von der Umsetzung von vZEV und LEG bis hin zur automatischen Optimierung anhand dynamischer Tarife bietet die Übersicht eine objektive Entscheidungsgrundlage.
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Energiemanagementsysteme (EMS) gewinnen an Relevanz, da sie ein optimales Zusammenspiel von Photovoltaik, E-Mobilität und Wärmepumpen ermöglichen. Für die Asga Pensionskasse Genossenschaft durfte Energie Zukunft Schweiz eine Strategie für den Rollout von EMS entwickeln.