
Die Energiestadt Grenchen startet im Juli 2026 mit der Implementierung ihrer Wärmestrategie. Renera durfte die Städtischen Werke Grenchen (SWG) von der Ausarbeitung bis zur Realisierung begleiten.
Vor der Frage, wie die Wärmewende wirtschaftlich und zu regionalen Gegebenheiten passend gelingen kann, stehen viele Energieversorgungsunternehmen. Die SWG hat gemeinsam mit Renera eine abgestimmte Lösung gefunden.
Um die Wärmeversorgung zukunftsfähig zu gestalten, hat die SWG gemeinsam mit der Stadt als Eigentümerin in den letzten Jahren bereits frühzeitig schrittweise auf das dynamische Marktumfeld im Wärmebereich reagiert und war so 2025 bereit zur Konkretisierung ihrer Wärmestrategie. Die Ziele orientierten sich dabei an der übergeordneten Energiestrategie des Bundes, berücksichtigten aber gleichzeitig lokale Gegebenheiten.
Grenchen verfügt über ein dichtes, relativ junges Gasnetz und baut die lokalen Biogaspotenziale laufend aus. Als Industriestandort ist Grenchen auch in Zukunft auf allseitig tragfähige Lösungen angewiesen. Gemeinsam mit Renera wurde dazu ein modernes Produktportfolio erarbeitet und das Unbundling von Netz- und Energienutzung umgesetzt.
Um die Wärmeversorgung gemäss den Grenchner Grundsätzen kosteneffizient und praxisnah zu gestalten, wurde Renera 2025 mit der Überarbeitung des bestehenden Produktportfolios beauftragt.
Bei der Ausgestaltung des Produktportfolios war die Kombination der strategischen Ziele der Geschäftsleitung und der vom Klima- und Innovationsgesetz auf nationaler Ebene vorgegebenen CO₂-Absenkpfade im Wärmebereich massgeblich. Im Fokus stand die Weiternutzung bestehender Infrastrukturanlagen, um verantwortungsvoll mit den Geldern der Grenchner Bevölkerung umzugehen.
Die durchgeführten Analysen zu den realen Bedürfnissen des Einzugsgebietes, des Marktes und der Zielgruppen – inklusive bestehender Produkte sowie der Produkte anderer Querverbundunternehmen – erlaubten die Entwicklung einer fundierten Strategie.
Die Analysen zeigten, dass in Grenchen eine räumlich differenzierte Herangehensweise an die Rolle des Gasnetzes sinnvoll ist und verschiedene Technologien einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der gesetzten Ziele leisten können. Entsprechend wurden drei klimafreundliche Technologien in die Strategie aufgenommen:
Mit diesem Ansatz lässt sich die Rolle der SWG im Bereich der Wärmeversorgung langfristig absichern.
Dank dem regelmässigen Austausch und der hervorragenden Zusammenarbeit konnte Ende 2025 dem Verwaltungsrat ein konkreter Umsetzungsplan vorgelegt werden, welcher erfolgreich verabschiedet wurde.
Mit dem Entscheid für eine räumliche Umfeldanalyse in Szenarien hat die SWG optimale Voraussetzungen für die Wärmeproduktentwicklung geschaffen. Ebenso kann das Risiko von stranded assets im Gasgeschäft nun durch gezielte Massnahmen reduziert werden.
Christoph Meier
Projektleiter Wärme Renera AG
Die im Rahmen der Strategie erarbeitete Lösung setzt unter anderem auf Biogas. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die bestehende Infrastruktur ohne hohe Investitionskosten klimafreundlicher weitergenutzt werden kann. Das Gas-Standardprodukt der SWG enthält deshalb seit Mitte 2026 einen Biogasanteil von 15 Prozent. In den kommenden Jahren soll der Biogas-Anteil schrittweise erhöht werden. Dies bietet im Fall von Grenchen einen Preisvorteil mit niedrigeren Kosten und Nachhaltigkeit ohne Komfortverlust.
Der entsprechende Bedarf an Biogas wird durch lokale und überregionale Produktion abgedeckt. Um die lokale Wertschöpfung zu steigern, baut die SWG ihre eigene Produktion weiter aus. Durch diesen kombinierten Ansatz hat die SWG nicht nur einen Teil der Mengen langfristig gesichert, sondern auch bereits den gesamten Bedarf bis Mitte 2028 komplett abgedeckt.
Die Sicherung der benötigten Biogasmengen als Voraussetzung dieser Lösung hat die SWG frühzeitig umgesetzt. Wo die eigene Produktion nicht ausreicht, konnten wir in enger Abstimmung zusätzliche Mengen beschaffen. Diese entsprechen gleichzeitig den hohen Schweizer Qualitätsanforderungen und sind wirtschaftlich attraktiv.
Marc Maurer
Product Manager Biogas Renera Trading AG
Parallel zur Einführung des neuen Gas-Standardprodukts mit einem festen Anteil von 15 Prozent Biogas hat sich die SWG dazu entschieden, die saubere Entkopplung von Energie- und Netztarifen (das sogenannte Unbundling) proaktiv umzusetzen. Analog zur bereits etablierten Praxis im Strombereich ergeben sich daraus mehrere Vorteile:
Die Netzinfrastruktur verursacht weitgehend fixe Kosten, unabhängig davon, ob fossiles Erdgas oder grünes Biogas durch die Leitungen fliesst. Das Unbundling stellt sicher, dass die Netztarife den sicheren technischen Betrieb, den Unterhalt und die Erneuerung des Gashandelsnetzes jederzeit verlässlich decken.
Neu wird klar ersichtlich, welcher Anteil der Kosten auf die Netznutzung entfällt und welcher Teil für die Energielieferung inklusive des Biogasanteils anfällt. Da die regulatorische und betriebswirtschaftliche Umsetzung einer solchen Entflechtung komplex ist und entsprechende Ressourcen erfordert, wurde die SWG bei Konzeption und Umsetzung des Unbundlings durch Renera unterstützt. Renera übernahm dabei die Projektkoordination, strukturierte die Arbeitspakete und unterstützte die Abstimmung zwischen den internen Fachbereichen, wodurch die internen Ressourcen der SWG entlastet wurden.
Die Zusammenarbeit zwischen der SWG und Renera zeigt, wie eine an lokale Gegebenheiten angepasste Wärmewende gelingen kann. Renera unterstützte die SWG sowohl bei der strategischen Ausarbeitung als auch in der operativen Umsetzung und trug damit zur Entlastung der internen Ressourcen bei.
Für die Umsetzung unserer Wärmestrategie brauchten wir einen Partner, der nicht nur die Theorie beherrscht, sondern unsere Realität versteht. Durch unsere Erfahrungen über den Verein Energie Zukunft Schweiz war das Vertrauen zu Renera bereits da. Es macht grossen Spass, mit einem Team zu arbeiten, das so flexibel auf unsere Bedürfnisse eingeht.
Städtische Werke Grenchen